Kinderwunsch und die reale Wirklichkeit
Staatssekretärin informierte über Familienpolitik
Von Mitarbeiter
Hans-Joachim Brandt
Lilienthal. Das neu eingerichtete "Grüne Klassenzimmer" bei der Worphauser Grundschule wurde bei hochsommerlichen Temperaturen zu einem runden politischen Tisch. Maßgebliche Vertreter der Lilienthaler CDU diskutierten ihre familienpolitischen Ziele und die Vereinbarkeit von Familie, Kindererziehung und Beruf. Der Landtagsabgeordnete Axel Miesner steckte bei seiner Begrüßung gleich verbindliche Ziele ab. In Lilienthal sollen sich Familien zu Hause fühlen. Dazu gehören die Wohnqualität, aber auch die Betreuungsmöglichkeiten von Kindern. Generell soll e die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, besonders bei den Frauen, verbessert werden. Und Miesner konnte einen hochrangigen Gast aus Hannover begrüßen, der die politischen Ziele der derzeitigen CDU/FDP-Landesregierung erläuterte. Es war die Staatssekretärin im niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit, Dr. Christine Hawighorst. Sie zeigte sich gut informiert in der Analyse der vorherrschenden Probleme und räumte pragmatisch viel ideologischen Ballast der letzten Jahrzehnte weg. Problematisch findet sie, dass nach neuesten Umfragen immerhin 70 Prozent der Menschen in Niedersachsen das Land für nicht gerade kinderfreundlich hielten. Aber dabei ließen sich auch verschiedene Gründe ausmachen. Wenn beispielsweise 90 Prozent der jungen Mütter weiter berufstätig sein möchten, aber nur unzulängliche Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kleinen fänden, sei das ein Armutszeugnis. Gemeinden und Landkreise sollten aus eigenem Interesse diese Probleme angehen. Dazu gehörten umfassende Betreuungsangebote, familienfreundliche Öffnungszeiten der Kindergärten und Kindertagesstätten, aber auch frauen- und familienfreundliche Arbeitszeiten in den Betrieben. Ein weiteres Problem sei die demografische Entwicklung in Deutschland und in Niedersachsen. 1970 gab es in Niedersachsen 2,2 Millionen Kinder, im Jahr 2004 nur noch 1,27 Millionen. Der Anteil der über 60-Jährigen steige jedoch kontinuierlich und werde im Jahr 2020 bei über 2,3 Millionen liegen. Warum immer weniger Kinder geboren werden, hat Hawighorst zufolge offensichtlich vielfältige gesellschaftliche Ursachen. Zwar sprechen sich nach der letzten Shell-Studie 75 Prozent der Mädchen und jungen Frauen und 65 Prozent der Jungen und jungen Männer für eine Zukunft in der Familie und für einen Kinderwunsch aus, aber durch finanzielle und sonstige Belastungen entscheiden sich dann doch viele junge Paare gegen Kinder. Ziel der CDU in Niedersachsen sei es, keine Einschnitte für Familien zuzulassen. Die Rahmenbedingungen müssten allgemein verbessert werden. Das sei kein parteipolitisches, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Noch nie hätte es in Deutschland so viele gut ausgebildete Mädchen und Frauen gegeben. Die ständen dann vor dem Problem, sich für Kinder und Familie, für ihren Beruf oder die Pflege der Eltern zu entscheiden. Das politische Ziele der Union sei, sich besonders um die Kinder zu kümmern, die schon da seien, und das Klima für Familien und Kinder im Land zu verbessern. Die Landesregierung hätte verschiedene Maßnahmen eingeleitet, erklärte die Staatssekretärin im Sozialministerium. So würden Stätten für Familienerholung, für Familienfreizeiten, Familienbildungsstätten, Einrichtungen für lokale Familienverbände und 58 Mütterzentren im Land unterstützt und gefördert. Und es seien Maßnahmen ergriffen worden, um die Wiedereingliederung von Frauen in den Beruf zu unterstützen. Zurzeit würden 60 mittelständische Unternehmen auch finanziell unterstützt, familienfreundliche Arbeitsplätze zu schaffen. Außerdem gebe es 15 Koordinierungsstellen zur Beratung von Frauen im Lande. Ein weiteres Problem seien Frauen und Familien, die durch die Kindererziehung überfordert seien. Hier hätte sich das Hebammenmodell, bei dem sich die Geburtshelferinnen die ersten Monate nach der Geburt um Mutter und Kind kümmern, als sehr positiv erwiesen. Für alle diese Maßnahmen stelle die Landesregierung in den nächsten Jahren 25 Millionen Euro zur Verfügung, trotz der Probleme mit dem Landeshaushalt. Den Ausführungen der Staatssekretärin schloss sich eine rege Diskussion mit den Lilienthaler Kommunalpolitikern an. Die Ziele der Landesregierung, so der Vorschlag, sollen auch in den familienpolitischen Leitlinien der Lilienthaler CDU Berücksichtigung finden, die demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Quelle: Wümme Zeitung, 29. Juli 2006



