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Axel MiesnerVorsitzender |
Der CDU-Gemeindeverband hat einen Arbeitskreis Familie gebildet. Er wird von Kai Westermann und Tanja Ruczyinski geleitet. Der Arbeitskreis soll sich grundsätzlich mit der Familienpolitik beschäftigen, die Angebote der Bundesregierung und der Landesregierung für die kommunalen Entscheidungsträger aufbereiten und Empfehlungen formulieren. Ein ebenso wichtiges Anliegen ist uns, dass sich die Angebote von Landkreis und Gemeinde auch an die wirkliche Nachfrage orientieren.
Nachdem von der Bundesregierung das Elterngeld für das erste Lebensjahr eingeführt wurde, kommt es nun darauf an, Lösungen zu entwickeln, wie eine Brücke zum ersten Kindergartenjahr gebaut werden kann.
Wenn seit vielen Jahren über 35% aller Frauen kinderlos bleiben, dann muss sich die Politik fragen, ob sie in den letzten dreißig Jahren alles richtig gemacht hat. Die Tatsache, dass über 35%, bei Hochqualifizierten sogar über 40 % aller Frauen kinderlos steht im Widerspruch dazu, dass zehn Prozent der Frauen ausschließlich lebenslang Hausfrau sein wollen und zehn Prozent ausschließlich lebenslang berufstätig sein wollen, also 90% der Frauen wollen beides, sowohl Familie und als auch Beruf.
Sollen Eltern sich für Kinder entscheiden – und das will der Staat - dann hat der Staat, die Gesellschaft insgesamt, auch die richtigen Rahmenbedingungen zu entwickeln, in der sich junge Eltern entfalten können. Wir brauchen eine Lösung für den Zeitraum zwischen dem Elterngeld und dem Kindergarten. Es nützt nichts Insellösungen zu entwickeln. Was wir brauchen ist daher ein Gesamtkonzept für junge Familien von der Geburt des Kindes bis zum Besuch der Grundschule und darüber hinaus. Die Eltern müssen die Gewissheit haben, dass wenn sie sich aus welchen Gründen auch immer für eine Berufstätigkeit von Mutter und Vater entscheiden, dass ihr Kind bestens in einer Krippe betreut und gefördert wird. Aufgrund der rasanten Entwicklung des Wissens, können es sich die Eltern oft gar nicht leisten, eine längere Auszeit aus dem Beruf zu nehmen. Immer mehr von ihnen entscheiden sich deshalb leider gegen Kinder. Und gerade diejenigen, die gut ausgebildet sind und vieles Positive an ihre Kinder weitergeben könnten, sind hier immer stärker vertreten.
Es ist nicht damit getan, Kinderkrippen und Kindergärten anzubieten, die der reinen Betreuung dienen. Nein, sie haben den Kindern Bildung und Wissen zu vermitteln.
Die neuen Erkenntnisse über die frühkindliche Erziehung zeigen uns einen enormen Handlungsbedarf auf. Kinder lernen nie wieder so spielerisch und motiviert wie in den Jahren vor der Schule. Alle nachfolgenden Bildungsschritte hängen entscheidend davon ab, wie die Jüngsten ihre altersgemäßen Lernstrategien und sozialen Fähigkeiten entwickeln. Frühkindliche Förderung sichert Zukunftschancen: Je früher die Förderung beginnt, desto größer die Chancen bei der Einschulung.
Wir verweisen hier auf eine Studie der „Initatitive Neue Soziale Marktwirtschaft“, die besonders den im internationalen Vergleich ausgesprochen hohen privaten Finanzierungsanteil anspricht und eine Aufwertung des Bildungsauftrages in den Kindergärten empfiehlt. Die Studie kommt zum Schluss, dass die späteren Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen durch den Kindergartenbesuch verbessert werden. Der spätere Vorteil soll bei 1-2 Schuljahren liegen.
Auf ein gleiches Ergebnis kommt das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung, wonach wir müssen die Bildungspotenziale der jungen Generation besser ausnutzen müssen.
Allein aus diesem Grund ist es richtig, dass sich die Landesregierung entschlossen hat, dass letzte Kindergartenjahr für die Eltern beitragsfrei zu stellen. Dafür gibt das Land pro Jahr 120 Millionen Euro aus: Dieses ist eine langjährige Forderung der CDU Lilienthal aus dem Jahre 2000. Es darf nicht sein, dass der so wichtige Besuch des letzten Kindergartenjahres vor der Grundschule für die Kinder ausfällt, weil es sich die Eltern nicht leisten können. Das letzte Kindergartenjahr muss zum Schulkindergarten weiterentwickelt werden, das noch besser auf die Grundschule vorbereitet. Mittelfristig sind hier auch die ersten Kindergartenjahre einzubeziehen. Hier verweisen wir auf den Beschluss des CDU-Bundesparteitages.
Die Kindertageseinrichtungen haben sich der flexiblen Arbeitswelt der Eltern anzupassen und die Gemeinde muss ihnen die Möglichkeit dazu eröffnen. Was wir aber auch brauchen sind mehr familiengerechte Arbeitszeiten, zum Wohl des Kindes. Ein Gesamtkonzept, das alle Interessen bündelt und einen Ausgleich schafft, wäre nach französischem oder skandinavischem Vorbild wünschenswert. Kinder sind eine Bereicherung der Gesellschaft und keine Belastung!
Eine Gemeinde muss erkennen, dass Familienfreundlichkeit ein Standort- und damit ein Wettbewerbsfaktor ist. Wir werden als Gemeinde nur dann bei den jungen Familien eine Chance haben, wenn wir neben Bauland für junge Familien im Zentrum und den Ortsteilen eine wohnortnahe Infrastruktur an Schulen und Kindergärten anbieten. Nur dann werden wir dem demografischen Abwärtstrend entgegenwirken können und Lilienthal nicht den damit verbundenen Problemen aussetzen: Zu wenig junge Menschen und damit zu wenig Erwerbspersonen mit der Folge ein Rückgang der Einnahmen bei gleichzeitiger Steigerung der Kosten.
Neben den 120 Millionen Euro für das beitragsfreie 3. Kindergartenjahr wird es weitere 25 Millionen Euro für das Landesprogramm „Familie mit Zukunft“ geben. Die 25 Millionen Euro werden für die Verbesserung der Betreuungsangebote für unter Dreijährige und der Förderung der frühkindlichen Bildung eingesetzt. Ein besonderes Anliegen ist die Vernetzung der Betreuungsangebote über sog. Familienservicebüros und die Fort- und Weiterbildung des Personals an Kindertagesstätten und der Tagespflegepersonen. Ein besonderes Augenmerk legt das Programm „Familie mit Zukunft“ auf den Ausbau des letzten Kindergartenjahres zum „Brückenjahr“ zur Grundschule.
Positiv ist in diesem Zusammenhang der einstimmige Kreistagsbeschluss, wonach sich der Landkreis auf Antrag der CDU-Kreistagsfraktion mit 100.00 Euro am Landesprogramm beteiligen will.
Im Landkreis Osterholz soll ein Familienservicebüro eingerichtet. Wobei gut überlegt werden sollte, ob nicht auch in den einzelnen Kreisgebieten ein dezentrales Familienservicebüro eingerichtet werden kann. Hier soll alles zusammengestellt werden, was vor Ort vermittelt werden kann; also eine Art Börse der Anbieter und der Eltern. Im Servicebüro werden die Familien, die Väter und Mütter in allen Fragen zur Kinderbetreuung beraten. Im Familienservicebüro sollen Tagesmütter vermittelt werden, die Ihre Kinder in deren Haushalten betreuen; Kinderfrauen, die in die Haushalte kommen, so genannte Notmütter, die auch kurzfristig Kinder betreuen können und eine Nachmittags- und Ferienbetreuung von Schul- und Kindergartenkindern ebenso anbieten wie die Betreuung in Randzeiten und über Nacht.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Axel Miesner